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Familienzentrum BSA: Ein Haus und viele Wege ins Miteinander

FamilienZentrum Bad Sooden-Allendorf: Ein Haus für Gemeinschaft. Foto: Familienzentrum
FamilienZentrum Bad Sooden-Allendorf: Ein Haus für Gemeinschaft. Foto: Familienzentrum

Seit 1997 ist das FamilienZentrum in Bad Sooden-Allendorf ein Ort für Beratung, Bildung, Integration, Begegnung, Ehrenamt und Angebote für Familien.

An einem Dienstagmittag ist in der Weberstraße 48 schon einiges los. Rahaf ist in der Küche, Iryna schnippelt für den Nachtisch der Kinder. Im Café sitzen Menschen zusammen, Kinder spielen, Tanja kommt herein, Heidi schaut vorbei. Es wird gesprochen, gelacht, beraten, übersetzt – und manchmal einfach nur zugehört.

Meheret hat dafür einen Satz gefunden, der im Haus bis heute in Erinnerung geblieben ist: „Das FamilienZentrum ist mein Wohnzimmer.“ Nicht „wie mein Wohnzimmer“ und auch nicht „mein zweites Wohnzimmer“, sondern ganz selbstverständlich: mein Wohnzimmer. Vielleicht lässt sich kaum besser beschreiben, was das FamilienZentrum für viele Menschen ist: ein Ort, an dem sie sich zugehörig fühlen.

Seit fast drei Jahrzehnten eine feste Adresse

Gegründet wurde der Verein 1997 aus einer Elterninitiative. 2001 zog er in das heutige Fachwerkgebäude aus dem 17. Jahrhundert. Es folgten der barrierefreie Umbau, 2017 das „Café Leichtsinn“ und zwischen 2022 und 2025 der Erlebnisgarten.

Heute gibt es Spiel-, Gruppen- und Beratungsräume, das Café und einen Erlebnisgarten mit Spielmöglichkeiten, Kräuter- und Naschbeeten, Matschküche und Ruhebereichen. Hinzu kommt ein rund 4.000 Quadratmeter großer Gemeinschaftsgarten nahe des Diebesturms. Heidi engagiert sich dort und in der Hauswirtschaft. Vieles wird hier nicht einfach „für“ andere gemacht – es entsteht gemeinsam.

Fünf Bereiche – viele Wege hinein

Die Arbeit stützt sich auf fünf Bereiche: frühkindliche Bildung, Frauen- und Familienbildung, Beratung und Begleitung, Integration und Inklusion sowie Kreativität und Handwerk. Auf dem Wochenplan stehen unter anderem DELFI- und Krabbelgruppen, Familienberatung, Sprach- und Begegnungsangebote, Schachtreff, Fahrradwerkstatt und Repair Café.

Wie lange das FamilienZentrum Menschen begleiten kann, zeigt Amelie: Sie kam schon als Kind hierher. Heute besucht sie mit ihren eigenen Kindern die Krabbelgruppe. Andere kommen wegen Beratung, Kursen oder Kontakten. Yasmin, 43, ist fast täglich im Haus. Sie sucht echte Begegnung – und lernt dabei ganz nebenbei Deutsch. Zusätzlich besucht sie einen MiA-Kurs des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Sprache lernt man eben auch beim Kaffee, im Garten, beim Kochen und im Gespräch.

Das FamilienZentrum versteht sich als „Solidaritätsgemeinschaft für Familien“ – offen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Ehrenamtliche, Ratsuchende und Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten.

Reparieren, gestalten, voneinander lernen

Jeden ersten Samstag im Monat öffnet das Repair Café. Nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ werden Elektro-Kleingeräte, Holzwaren und Textilien gemeinsam repariert. Das FamilienZentrum stellt Werkstatt und Werkzeug bereit, Ehrenamtliche ihr Wissen.

Parallel öffnet das „Café Leichtsinn“ für den Kreativtreff „MaschenZauber“. Bei Kaffee und Gesprächen wird genäht, gehäkelt, gestrickt und gebastelt. Dabei geht es um mehr als Reparieren oder Handarbeit: Menschen lernen voneinander – und miteinander.

Integration beginnt mit Begegnung

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Integration, Teilhabe und dem Empowerment von Frauen; ein Teil wird über das hessische Landesprogramm „WIR – Vielfalt und Teilhabe“ gefördert.

Bei der dienstäglichen „WeltKostBar“ bereiten wechselnde Köchinnen Gerichte aus verschiedenen Ländern zu. Essen wird zum Türöffner und bringt Menschen an einen Tisch. Hinzu kommen der ukrainische Treff „Sonnenblume – Sonyashnyk“ mit Austausch und praktischer Unterstützung, das interkulturelle „Café MorgenLicht“ und ein Kulturrat, der Veranstaltungen wie Fastenbrechen im Ramadan oder Plätzchenbacken organisiert.

Integration ist dabei keine Einbahnstraße: Menschen, die zunächst selbst Unterstützung gesucht haben, bringen später ihre Fähigkeiten ein, helfen anderen oder übernehmen Verantwortung.

Kinder und Jugendliche gestalten mit

Das zu 80 Prozent von der Glücksspirale geförderte Projekt „Junge Welten“ bringt Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationsgeschichte zusammen. Es schafft Raum für Sprache, Kontakte, kreative und sportliche Aktivitäten sowie Unterstützung bei den Hausaufgaben. Kinder sollen aber nicht nur teilnehmen, sondern mitreden. Inzwischen gibt es einen eigenen Kinderrat. Dort können sie sagen, was ihnen gefällt, was sie stört und was sie sich wünschen. Denn auch ihre Stimme zählt.

Ehrenamt – professionell begleitet

Rund 50 Ehrenamtliche bringen Zeit, Wissen und Ideen ein. Sven engagiert sich in der Väterarbeit, Heidi in Hauswirtschaft und Garten. Andere kochen, reparieren, begleiten Gruppen oder schenken Menschen Zeit und ein offenes Ohr. Das Ehrenamt wird professionell begleitet. Drei Pädagoginnen arbeiten im FamilienZentrum. Sie beraten Familien, koordinieren Angebote und Projekte und sind Ansprechpartnerinnen für die Ehrenamtlichen. Zur Vielfalt gehört auch der Queere Treff für Erwachsene aus dem Werra-Meißner-Kreis – ein Ort für Austausch, Unterstützung und Begegnung. Denn nicht jede Unterstützung muss mit einem Beratungstermin beginnen.

Die Leichtigkeit braucht viel Arbeit

Dass das FamilienZentrum so selbstverständlich lebendig wirkt, bedeutet nicht, dass es sich von selbst trägt. Spenden und Projektfinanzierungen müssen gefunden, Förderprogramme geprüft und Anträge geschrieben werden. Zugleich müssen die Angebote zu den Menschen und zur Stadt passen.

Mindestens ebenso wichtig ist die Arbeit, die sich kaum in Zahlen abbilden lässt: Gespräche führen, zuhören, Vertrauen aufbauen und Beziehungen pflegen. „Bindung und Beziehung sind eigentlich unser Zauberwort“, sagen die Pädagoginnen. Viele Gespräche entstehen nebenbei, andere brauchen Zeit und professionelle Begleitung. Wo viele Menschen zusammenkommen, gibt es auch Missverständnisse und Konflikte. Konfliktmanagement, Vermittlung und das Miteinander-ins-Gespräch-Bringen gehören deshalb genauso zur täglichen Arbeit wie Beratung und Projektplanung.

Entscheidend ist das „gemeinsam“. Pädagoginnen und ehrenamtlicher Vorstand überlegen nicht allein, was andere brauchen könnten. Gemeinsam mit Besucherinnen und Besuchern, Ehrenamtlichen, Kindern und Kooperationspartnern wird regelmäßig gefragt: Was brauchen Familien? Was braucht das FamilienZentrum? Und was braucht unsere Stadt und Kommune, damit Familien hier gut leben können? Aus diesen Gesprächen entstehen neue Angebote. Trotz aller Arbeit erlebt das Team dabei viel Leichtigkeit und Wertschätzung zwischen Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen, Besucherinnen und Besuchern und Kindern.

Ein ehemaliger Praktikant beschrieb es einmal so: „Manchmal kam ich traurig und belastet hier rein. Aber ich weiß: Ich gehe wieder erfüllt und mit einem Lachen raus – mit dem Gefühl, etwas Gutes für Menschen getan zu haben. Und das tut auch mir gut.“

Viele Wege – ein gemeinsames Haus

Fast drei Jahrzehnte nach seiner Gründung ist das FamilienZentrum weit mehr als die Summe seiner Angebote. Amelie kennt es aus ihrer Kindheit und kommt heute mit ihren Kindern. Yasmin findet Begegnung und lernt Deutsch. Ehrenamtliche bringen ihre Fähigkeiten ein, Pädagoginnen schaffen den professionellen Rahmen und Kinder gestalten im Kinderrat mit.

Und Meheret hat für all das vielleicht immer noch die kürzeste Beschreibung:

„Das FamilienZentrum ist mein Wohnzimmer.“

Das Leitmotiv des Hauses bringt es auf einen gemeinsamen Nenner:

„Menschen stärken – Gemeinschaft leben.“